Nicht nur der Umwelt zuliebe: Warum der Verzicht auf Plastik beim Einkauf auch der Gesundheit guttut

Boxed Water is better

Boxed Water is better @ boxedwater (CCO-Lizenz) / unsplash.com

Dass unser Planet nicht mehr in der Lage ist, der Unmengen an Plastik Herr zu werden, die der Mensch produziert, ist lange bekannt. Das Thema Mikroplastik in Lebensmitteln hat dagegen erst in jüngerer Zeit hohe Wellen geschlagen und das Bewusstsein in unserer Gesellschaft für das enorme Gesundheitsrisiko geweckt, das mit Mikroplastik in Lebensmittel einhergeht.

Ein echter Augenöffner war eine kürzlich vom WWF veröffentlichte Studie, nach der jeder Mensch ungefähr eine Kreditkarte oder einen Plastikkugelschreiber pro Woche in Form von Mikroplastikpartikeln in der Nahrung aufnimmt. Diese Vorstellung ist ebenso ekelerregend wie alarmierend und regt dazu an, dem Thema Mikroplastik in Verpackungsmaterialien und Lebensmitteln auch beim privaten Einkauf mehr Beachtung zu schenken.

Mikroplastik ist überall

Wir sind im Alltag überall von Plastik umgeben. Verpackungen im Einzelhandel bestehen häufig aus Plastik, ebenso wie Kinderspielzeug und Küchenutensilien. Wer in den eigenen vier Wänden einmal aufmerksam den Blick schweifen lässt, wird erstaunt sein, wie viel Plastik zu einem festen Bestandteil des Alltags geworden ist. Problematisch ist aber nicht nur das Plastik, das wir sehen können.

Wenn Plastik auf dem Müll landet oder in der Natur weggeworfen wird, zerfallen die großen Bestandteile nach und nach und werden zu kleinsten Partikeln, dem so genannten Mikroplastik, das schließlich im Wasser und sogar in der Atemluft gelöst wird. Wir stolpern im Alltag also nicht nur über Unmengen von Plastik, wir trinken sie auch und atmen sie ein, sie gelangen in den Boden und damit in die Lebensmittel, die darauf wachsen, und das jeden Tag.

Deutschland gilt als eines der Länder, in denen der größte Anteil an Kunststoffen weltweit hergestellt wird. Belastbare Zahlen dazu, wie viel Mikroplastik hierzulande in den Organismus gelangt, gibt es bislang zwar nicht, doch weiß man aus wissenschaftlichen Studien, das ungefähr drei Viertel des Plastiks, das in der Umwelt auf deutschem Gebiet vorkommt, Mikroplastik ist. Das bedeutet, es handelt sich dabei um Partikel, die so klein sind, dass sie mit bloßem Auge nicht oder nur sehr schwer zu erkennen sind. Die Plastikmengen, die uns täglich ins Auge fallen, machen damit also nur ein Viertel der Gesamtmenge vorhandenen Plastiks aus. Und damit steht Deutschland im globalen Vergleich noch verhältnismäßig gut da. In Indien und den USA beispielsweise ist die Verschmutzung der Umwelt durch Plastik und damit auch der Anteil an aufgenommenem Mikroplastik mindestens doppelt so hoch anzusetzen.

Warum ist Mikroplastik so schädlich für die Gesundheit?

Grundsätzlich ist zu sagen, dass Plastik ein Kunststoff ist und damit natürlich kein Teil des natürlichen Nahrungskreislaufes. Fremdstoffe sind für den Organismus immer risikoreich und eine natürliche Ernährung ist jeglichen künstlich hergestellten Produkten in jedem Fall vorzuziehen.

Wie genau sich die Aufnahme von Mikroplastik auf den menschlichen Organismus auswirkt, wird derzeit noch wissenschaftlich erforscht. Untersuchungen an Meerestieren, Vögeln und Säugetieren haben aber bereits ergeben, dass die winzigen Mikroplastikpartikel sich über weite Teile des Organismus ausbreiten können. So wurden Plastikbestandteile bereits im Blutkreislauf, in der Leber und in dem Lymphgefäßen nachgewiesen. Eingehendere Studien an Vögeln, die unter anderem in diesem Artikel über Mikroplastik zitiert werden, konnten aufzeigen, dass die aufgenommenen Mikropartikel Veränderungen an den Darmzotten hervorrufen können. Diese können zu einer gestörten Eisenaufnahme und damit zu einer Unterversorgung mit diesem wichtigen Vitalstoff führen. Auch Leber-Hirn-Störungen der untersuchten Vögel konnten Wissenschaftler bereits auf die aufgenommenen Mikroplastikpartikel zurückführen.

Inwiefern diese gesundheitlichen Beeinträchtigungen auch beim Menschen zu erwarten sind, wird derzeit noch erforscht. Grundsätzlich gehen Wissenschaftler aber auch für den menschlichen Organismus von schwerwiegenden gesundheitlichen Risiken aus, die mit der Aufnahme von Mikroplastik über das Trinkwasser, die Nahrung und die Atemluft einhergehen.

Umso wichtiger ist es, im Alltag aufmerksam zu bleiben für die Gefahr, die Plastik nicht nur für die Umwelt, sondern auch für die Gesundheit darstellt. Wir haben ein paar hilfreiche Tipps für den gesunden Wocheneinkauf zusammengestellt.

So lässt sich Mikroplastik beim Einkauf vermeiden

Leider ist es kaum möglich, den Alltag vollkommen frei von gesundheitsschädlichem Plastik zu halten. Über das Trinkwasser und die Atemluft nehmen wir täglich kleine Mengen Mikroplastik auf und auch in vielen Lebensmitteln sind die Partikel enthalten. Es ist aber möglich, durch ein paar einfache Grundregeln die Menge an aufgenommenem Mikroplastik und damit auch das gesundheitliche Risiko zu minimieren.

So wird der Einkauf plastikärmer:

  1. Verzichte auf Kunststoffflaschen

Der Abrieb von kleinsten Plastikpartikeln von Verpackungen ist wissenschaftlich nachgewiesen. Besonders stark macht sich das bei Getränken bemerkbar, die in Kunststoffbehältern abgefüllt werden. Durch den vollständigen Verzicht auf Kunststoffflaschen kann die Menge an aufgenommenen Mikroplastikpartikeln täglich reduziert werden.

Glasflaschen sind eine gute und sowohl umwelt- als auch gesundheitsschonende Alternative. Auch Wassersprudler mit wiederverwendbaren Glasflaschen stellen eine gute Alternative zu PET- und anderen Kunststoffflaschen dar.

  1. Bei Pflegeprodukten ganz genau hinschauen

Pflegeprodukte tragen erschreckend viel Mikroplastik in sich. In viele Kosmetikprodukte werden Bestandteile aus Mikroplastik beigemengt, um die gewünschte Konsistenz zu erhalten. Auch das zur Herstellung verwendete Wasser enthält zum Teil Mikroplastik und der Abrieb von Plastikverpackungen erhöht den Anteil noch einmal. Übrigens bleiben auch die streng kontrollierten Pflegeprodukte für Babys und Kinder von der Verschmutzung durch Mikroplastik nicht verschont.

Eine Auflistung aller Kosmetikprodukte, in denen bereits Mikroplastikpartikel nachgewiesen konnten, stellt der BUND Einkaufsratgeber zur Verfügung. Wer sich vorab informiert und beim Einkauf im Drogeriemarkt dann ganz genau hinschaut, kann seiner Gesundheit und der Umwelt etwas Gutes tun.

  1. Lebensmittel möglichst unverpackt einkaufen

Supermärkte sind ein wahres Plastikparadies. Die Verpackungen der Lebensmittel geben allerdings nachweislich einen nicht geringen Anteil an Mikroplastik an die enthaltenen Nahrungsmittel ab. Gesünder wird der Einkauf, wenn Lebensmittel möglichst unverpackt eingekauft werden. Für frische Produkte geht das hervorragend auf dem Markt oder beim regionalen Bauern. Auch Unverpackt-Läden haben in vielen größeren Städten schon Fuß gefasst. Hier gibt es eine Liste der Unverpackt-Läden in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Natürlich ist es nicht möglich, sämtliche Lebensmittel ohne Verpackung zu kaufen. Vor allem Milchprodukte wie Joghurt und Quark können ohne Verpackung nicht transportiert werden. Hier gibt es häufig aber auch Alternativen aus Glas oder Pappe. Für Lebensmittel, die an der Frischetheke im Supermarkt eingekauft werden, wie Wurst oder Käse, können häufig eigene Behälter für den Transport mitgebracht werden. Hier lohnt sich die Nachfrage beim regionalen Supermarkt.

  1. Kleidungsstücke mit wenig Kunstfaser bevorzugen

Kleidungsstücke aus Kunstfaser sind ein großer Verursache von Mikroplastik im Wasser. Beim Waschen werden die Kleinstpartikel nämlich aus den Fasern gewaschen und gelangen über das Waschwasser auch ins Grundwasser und damit in den Wasserkreislauf und in die Flüsse und Meere. Besonders stark schlagen Kunstfasern wie Polyester und Mischgewebe mit Polyesteranteil zu Buche.

Wer beim Einkauf von Kleidungsstücken einen sorgfältigen Blick auf das Etikett wirft und auf Kleidungsstücke aus Naturfasern setzt, kann nicht nur der Umwelt damit einen großen Gefallen tun, sondern auch die eigene Gesundheit und die seiner Familie schützen. Große Modelabel wie H&M oder C&A haben inzwischen auch eigene Umweltmarken entwickelt, die auf Naturfasern setzen und deshalb den Mikroplastikanteil deutlich geringer halten.

  1. Apps machen den gesunden Einkauf leichter

Damit der gesunde und plastikarme Einkauf praktikabel bleibt, gibt es inzwischen praktischer Helfer, die als App auf das Smartphone heruntergeladen werden können.

Besonders zu empfehlen sind die Anwendungen Codecheck für Nahrungsmittel, Haushaltsprodukte, Kosmetika und Baby- und Kinderartikel, sowie ToxFox für den Einkauf von Kosmetikprodukten und Spielwaren. Beide Apps sind entweder über den Google Playstore für Androidgeräte oder über den Apple Store für das iPhone erhältlich.

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